Drei Wochen, drei Länder, mehr als 4.000 Kilometer – und eine Reiseroute, die irgendwo zwischen großer Weite, Gänsehaut und kostenloser afrikanischer Rückenmassage alles zu bieten hatte. Unsere Tour durch Namibia, Botswana und Simbabwe begann in Windhoek und endete dort auch wieder. Dazwischen lagen Begegnungen, Landschaften und Tiermomente, bei denen selbst randvolle Speicherkarten kaum ausreichen.

Nashorn im Etosha-Nationalpark
Etosha aus der ersten Reihe – manchmal steht das nächste Highlight einfach hinter dem nächsten Baum.

Namibia: Weite, Wildnis und Giraffenservice

Schon die erste Lodge machte klar, wie diese Reise weitergehen würde: viel Landschaft, dieses besondere namibische Licht – und eine Giraffe, die vor unserer Tür vorbeispazierte. Andere Unterkünfte haben Zimmerservice. Namibia serviert offenbar Giraffen.

Bei den San lernten wir, wie mit Holz, Geduld und erstaunlich viel Geschick Feuer entsteht. Im Damaraland begleiteten uns Granitfelsen, jahrtausendealte Felsmalereien und Termitenhügel, die architektonisch deutlich zuverlässiger wirkten als so manches deutsche Großprojekt. Die Wanderungen hießen zwar gelegentlich „klein“, hatten aber eine bemerkenswert großzügige Auslegung dieses Begriffs.

Dann kam Etosha. Elefanten, Zebras, Gnus, Oryx, Giraffen, Nashörner – und Löwen, die das Powernapping zur Lebensphilosophie erhoben hatten. An einem Vormittag sah es zunächst so aus, als hätten die Tiere frei. Kurz vor dem Parkausgang folgte dann das große Finale: Elefantenherde, Löwenfamilie beim Mittagessen und Giraffen zum Abschied. Dramaturgie können sie dort.

Wildtiere am Ufer des Chobe
Am Chobe ist selbst die Fahrt zum nächsten Flussbogen schon Teil des Programms.

Botswana: Safari an Land und auf dem Wasser

Nach fast 600 Kilometern Richtung Okavango fühlte sich die Shametu River Lodge wie der perfekte Platz zum Herunterfahren an. Lange hielt die Ruhe allerdings nicht: Im Bwabwata-Nationalpark stand gleich ein junger Elefant nur wenige Meter vor unserem Bus und erklärte ziemlich eindeutig, wer hier Vorfahrt hat. Es folgten Strauße mit ausbaufähiger Straßenkoordination, Warzenschweine, Büffel, Flusspferde und Krokodile. Den Abend beendeten wir auf dem Okavango, mit Stromschnellen, Sundowner und einem Himmel, der sämtliche Orange-Regler auf Anschlag gestellt hatte.

Im Chobe-Nationalpark wurde die Tierdichte dann endgültig absurd. Elefanten fast auf Selfie-Distanz, ein entspanntes Löwenrudel, Giraffen und so viele Hippos, dass man kurz an eine Vollversammlung glauben konnte. Vom Boot aus zeigte sich derselbe Park noch einmal ganz anders: Elefanten am Ufer, Büffel, Krokodile und Vögel an jeder Flussbiegung. Drei Stunden Safari können erstaunlich kurz sein.

Victoriafälle mit aufsteigender Gischt
Victoriafälle zu Fuß: Der Plan, trocken zu bleiben, hielt nicht besonders lange.

Victoriafälle: klatschnass und sprachlos

Die Victoriafälle waren eines der großen Ausrufezeichen dieser Reise. Auf dem Rundweg warteten donnernde Wassermassen, Regenbögen und sehr viel Gischt. Trocken zu bleiben war ein ambitionierter Plan, den wir schnell und ohne größere Trauer aufgaben.

Am selben Tag wechselten wir die Perspektive und stiegen in den Helikopter. Dreizehn Minuten sind nicht lang – aber lang genug, um zu begreifen, welche Dimensionen dieses Naturwunder wirklich hat. Von oben sahen wir, wie der Sambesi zunächst friedlich durch die Landschaft zieht und dann mit voller Wucht in der Schlucht verschwindet. Dafür fehlten sogar uns kurz die Worte.

Sonnenuntergang in den Makgadikgadi-Salzpfannen
Makgadikgadi: irgendwo zwischen Erde und Himmel verliert sich die Grenze.

Plan B mit Jackpot

In den Makgadikgadi-Salzpfannen wurde die Landschaft so weit, dass irgendwann nicht mehr klar war, wo die Erde aufhörte und der Himmel begann. Gnuherden, Flamingos, Pelikane und ein goldener Sonnenuntergang machten den Umweg zur besten Art von Zwischenstopp.

Später verhinderte Hochwasser die geplante Route ins Okavango-Delta. Die erste Enttäuschung hielt genau bis zur Ersatzlösung: zehn Stunden Safari im Kziniki-Gebiet, Picknick im Busch und Straßen, die jedem Knochen seine Existenz in Erinnerung riefen. Elefanten, Löwen und Giraffen waren schon stark – der Gepard zum Schluss machte aus Plan B endgültig einen Jackpot.

Ganz ohne Wasserabenteuer ging es ohnehin nicht weiter. Im Mokoro glitten wir fast lautlos über die Kanäle vor unserer Lodge. Vogelstimmen, spiegelglattes Wasser, Flusspferde in überraschender Nähe – und zweimal ein Boot, das kurz überlegte, uns doch noch baden zu schicken. Es blieb beim Wackeln und einer Extraportion Gelächter.

Fahrt im Mokoro auf einem ruhigen Wasserweg
Leise durchs Wasser – bis das Mokoro kurz eigene Pläne entwickelt.

Ein Abschied unter Sternen

Zum Schluss wartete die Onjala Lodge: Buschfrühstück, letzter Sundowner, ein wenig Spa und eine Sternwarte unter einem Himmel, der selbst nach drei Wochen voller Höhepunkte noch einen draufsetzen konnte. Nach mehr als 4.000 Kilometern waren wir müde, glücklich und voll mit Erinnerungen.

Eine richtig gute Reise erkennt man vermutlich daran, dass der Körper nach Hause fliegt – und der Rest gern noch ein bisschen bleiben würde.

Namibia verabschiedete uns mit einem letzten Sonnenuntergang. Zurück in Berlin waren die Koffer noch nicht ausgepackt, das Fernweh aber schon wieder da. Nach der Reise ist schließlich vor der Reise.

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